Artikel vom 25. Mai 2012

Davos in der Steppe

Gerade zurück aus einer der bizarrsten Städte der ehemaligen Sowjetunion: Astana. Nursultan Nasarbajew, der Präsident und selbsternannter „Vater aller Kasachen“, hat vor 15 Jahren die Hauptstadt seines Landes von Almaty im Süden in die nordkasachische Steppe verlegt. Spektakuläre Neubauten stehen in der Ödnis, drum herum wenige Menschen, dafür viele frisch gepflanzte Bäume – eine Retortenstadt. Man erzählt sich hier, Nasarbajew skizziere auf Reisen gerne Gebäude, die ihm besonders gut gefallen, um sie später in Astana ähnlich nachbauen zu lassen. Abwegig klingt das nicht. Astana ist ein wilder Architekturmix und erinnert zuweilen an London, Washington, Peking, Berlin, Moskau und noch ein paar andere Weltstädte. » Weiterlesen

Die neue chinesisch-brasilianische Achse

Wie schnell sich die globale Aufmerksamkeit innerhalb der BRIC-Länder verschiebt, wird mir jetzt gerade deutlich – unterwegs im brasilianischen Landesinnern. Die Regierung will drei Auslandskorrespondenten zeigen, wie nachhaltig Brasiliens Farmer und Rinderzüchter arbeiten. Mit dabei ist ein Kollege aus China und einer aus den USA. Bei unseren Interviews geschieht immer das Gleiche: Nach ein paar Minuten adressieren unsere Gesprächspartner ihre Vorträge und Analysen meist in Richtung des chinesischen Kollegen – egal ob Rinderzüchter, Zuckerbaron, Landbesetzer oder Kleinbauer. Das werden dann fast Zwiegespräche: Jeder brasilianische Farmer weiß ziemlich genau, welches seiner Produkte welche Marktchancen in China hat. Oder malt sich aus, wie seine Gewinne steigen könnten, wenn China die Importbarriere etwa für Schweinefleisch oder Hühnerschlegel aussetzen würde. Oder was geschehen würde, wenn die Chinesen erst mal so viel Zucker essen und trinken wie die Amerikaner. Oder Ethanol zum Benzin beimischen. Für den Kollegen aus den USA bringen die brasilianischen Farmer noch so etwas wie Nähegefühl auf. Schließlich sieht es auf den Mais- oder Sojaplantagen im Cornbelt auch nicht anders aus als im tiefen Westen Brasiliens. Zu mir fällt den immer höflichen Brasilianern zum Abschied eigentlich nur die stereotype Frage ein: „Und, was meinst du – fliegt Griechenland aus der EU?“