» 03. Mai 2012, 10:48 Uhr

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“Du bist in großer Gefahr!”

Polizisten bewachen das Chaoyang-Hospital in Peking

Wie die Maus in der Falle: Polizisten bewachen das Chaoyang-Hospital in Peking

Der blinde Menschenrechtler Chen Guangcheng befindet sich offenbar in viel tieferen Schwierigkeiten, als es gestern den Anschein hatte. Seine Freunde sagen, er dürfe das Krankenhaus nicht verlassen, in das ihn gestern der US-Botschafter begleitet hat. Boom-Blog konnte sich for Ort davon überzeugen: Das riesige Gelände des Chaoyang-Hospitals in Peking ist rundum von Polizei bewacht.

Chen ist von den Amerikanern enttäuscht. „Die Diplomaten von der Botschaft haben versprochen, bei mir zu bleiben, doch sie sind alle weggegangen“, sagte er einem befreundeten Rechtsanwalt laut einem Transkript vom Krankenhaus aus am Telefon. „Wir sind jetzt allein im Krankenhaus.“ Der Rechtsanwalt, Teng Biao, reagiert darauf alarmiert: “Du bist in großer Gefahr!”

Jetzt wünscht sich der 40-Jährige, mit US-Außenministerin Hillary Clinton im Regierungsflugzeug in die USA fliehen zu können – zusammen mit seiner Frau und seinem kleinen Kind. Clinton ist derzeit zu Handelsgesprächen in Peking, doch die Affäre Chen überschattet alles.

Kamerateams vor dem Chaoyang-Hospital in Beijing.

Kamerateams vor dem Chaoyang-Hospital in Beijing.

Vor dem Chaoyang-Krankenhaus in Peking haben sich derweil auch besorgte Anhänger Chens eingefunden, die hoffen, einen Blick auf den bekannten Aktivisten werfen zu können – oder durch ihre Anwesenheit unmittelbare Übergriffe der Behörden zu verhindern. Doch meinem Gefühl nach überwiegen die Zivilpolizisten. Und die Presse. Ein Polizist versuchte dennoch, Boom-Blog das Handy wegzunehmen, mit dem der Korrespondent die Sicherheitsleute knipste.

Wenige Minuten, nachdem diese Fotos entstanden, fing die Polizei an, die Reporter zu vertreiben. Sie hat von einigen Kollegen die Presseausweise beschlagnahmt – ein Zeichen dafür, wie nervös der Staatsapparat ist.

Gestern noch hatte die US-Botschaft ihre Verhandlungen mit der chinesischen Seite als Sieg verkauft: Chen sei in Freiheit und dürfe unbehelligt in China ein normales Leben führen. Doch kurz danach mehrten sich die Zweifel an dieser Version. Seine Frau wies auf CNN darauf hin, dass die ganze Familie in ihre Heimat Shandong zurückgeschickt werden soll.

In Shandong droht den Chens jedoch neue Gewalt. Sie kommen dort aus dem Dorf Dongshigu. In der Region hatte Chen sich gegen Zwangsabtreibungen eingesetzt. Die Mächtigen Parteibosse vor Ort rächten sich, indem sie ihn anklagten und schließlich unter Hausarrest stellten. Gedungene Schläger haben ihn und seine Familie misshandelt.

Das Tor des Krankenhauses, in dem Chen derzeit ausharrt.

Das Tor des Krankenhauses, in dem Chen derzeit ausharrt.

Durch seine spektakuläre Flucht sind die Verantwortlichen vor Ort nun gedemütigt – und werden sich voraussichtlich grausam rächen, wenn die Chens nach Shandong zurückmüssen. In Peking wären sie noch einigermaßen sicher. Aber wie lange? Die chinesische Seite hat klar gemacht, dass sie seine Flucht in die Botschaft als Verrat versteht.

Als Chen aus seinem Dorf den weiten Weg bis Peking und in die Botschaft geflohen ist, hatten er und seine Helfer vermutlich keinen ausgearbeiteten Plan. Jetzt ist er zum Zankapfel zweier Supermächte geworden.

Den Chinesen passt es natürlich gar nicht, dass die Amerikaner sich auf ihren eigenen Boden in ihre Innenpolitik einmischen. Das empfinden sie als selbstgerecht. Die Regierung Obama wiederum kann es sich nicht leisten, im Wahljahr in Menschenrechtsfragen nachzugeben.

Egal, welches Ergebnis sich am heutigen Donnerstag bei den Verhandlungen in Peking abzeichnet: Vermutlich werden alle verlieren. Chen muss entweder in ein fremdes Land fliehen, dessen Sprache er nur schlecht spricht. Oder er lebt in China weiter – unter größerer Unsicherheit als je zuvor.

Die USA sehen sich in Zeiten, wo Arbeitsplätze von China-Handel abhängen, in einen Streit mit Peking verwickelt und haben jetzt schon viele Diplomatie-Punkte eingebüßt.

China wiederum ist einmal mehr als Unrechtsstaat entlarvt. Denn Chen fordert nicht etwa den Sturz der Kommunisten, sondern nur, dass sie ihre eigenen Gesetze auch human anwenden, so wie vom Volkskongress beschlossen. Sein Verbrechen war es nur, die Anwendung geltenden Rechts auch für die einfachen Leute auf dem Dorf zu fordern.

» 03. Mai 2012, 10:48 Uhr

    Ein Kommentar zu ““Du bist in großer Gefahr!””


  1. joe sagt:

    es ist schön und gut, dass solcher Unrechtsfall nach außen berichtet. Tatsache ist seit jahrtausen China ist kein Rechtsstaat und bleibt in der nächsten hundert jahr auch so.
    Es liegt an traditional asiatische Erziehung und Denkweise. Materialismus und Reichtum sind die Krönung des Lebens; anders ist nichts wert, moral und sozial sind Heuchelei.
    Dies führt zum Machtmißbraucht und Korruption, Vetterwirtschaft – für Asiate, spezial für Chinese ist es normal, schade! (aus Unrecht, Ausbeutung, Hunger und Not kam es zur MAO revolution !! – es klingt so paradox).
    Aber was zur Zeit gespielt-lehrmeisterartig mit hoch gehobener Zeigefinger oder Mittefinger zum Jubeln – bringt nicht gutes, sondern das Gegenteil. Es ist bekannt typisch deutsch, nie Fehler zu gegeben – genauso ist es bei Chinesen, nie Gesicht verlieren lassen.
    Um etwas zu erreichen, spezial in Asien , Hinterzimmer-Diplomatie – is das wichtigste; nicht Trommelfeuer und Lautstärke! (z.B. Rauschgift Todesstrafe in Singapore, etc mit negative effect). Heuzutage die Asiate brauchen keine sog.Oberlehrern, sondern Meister, maker. Dies sollte die European oder developed countries beherzigen; die Zeit als Oberlehrern ist vergangen. Die bisherige Glauben an Richtigkeit und Überlegenheit der Western – aus konkurrentlose Denkanstoß von anderen Völker – sollte mutig und offen in Frage stellen und überprüfen zum alle Vorteil in der Zukunft.

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