Geld ist in Moskau immer wichtig, doch in diesen Tagen ist das Thema noch präsenter als sonst. Gerade haben Noch-Präsident Dmitrij Medwedjew und Wladimir Putin, sein Vorgänger im Amt und in wenigen Tagen auch der Nachfolger, ihre Gehälter offengelegt. Etwa 90.000 Euro verdienen beide umgerechnet. Zumindest offiziell. Denn regelmäßig kursieren Gerüchte über den angeblich tatsächlichen Besitz. Dieser wird dann mit einigen zusätzlichen Nullen angegeben.
Der scheinbaren Offenheit der obersten Staatslenker folgten die Kabinettsmitglieder. In deren Einkommens-Auflistungen sind zum Teil wesentlich höhere Zahlen zu lesen, dabei sind für die Einnahmen nicht selten die Ehefrauen verantwortlich, die – wieder offiziell – die Unternehmen der Familie führen. „Was sind das für Männer in der Regierung?“ fragte ein Leser einer Internetzeitung jüngst. „Sie liegen ihren Frauen auf der Tasche!“
Mittlerweile haben auch die 450 Abgeordneten der Duma ihr Vermögen offengelegt. Interessante Erkenntnis: 39 Duma-Mitglieder sind Dollarmillionäre – jeder elfte Parlamentarier. Die meisten von ihnen gehören der Regierungspartei Einiges Russland an, aber unter den Kommunisten ist Besitz kein Fremdwort mehr. Millionen und teure Luxuslimousinen nennen auch sie ihr Eigen.
Im Vergleich zu den Reichsten im Land sind diese Zahlen hingegen fast lächerlich. Einmal im Jahr zählt der russische Ableger des „Forbes“-Magazins die Reichsten im größten Land der Welt. 96 Dollar-Milliardäre leben in Russland, fünf weniger als im Vorjahr. Wegen fallender Preise für Rohstoffe, etwa im Stahlsektor, sind die Milliardäre in diesem Jahr zusammengenommen 52 Milliarden Dollar weniger wert als im Vorjahr. Zusammen also „nur noch“ 446,3 Milliarden Dollar.
An erster Stelle im Oligarchen-Ranking steht Internetmilliardär Alischer Usmanow mit einem Besitz von 18,1 Milliarden Dollar. Ihm folgt Wladimir Lissin mit 15,9 Milliarden. Der Stahlbaron hat deutlich verloren: im vergangenen Jahr schätzte Forbes sein Vermögen noch auf 24 Milliarden Dollar. Der im Westen bekannteste Oligarch Roman Abramowitsch, Eigentümer des englischen Fußballvereins FC Chelsea, blieb mit einem Vermögen von 12,1 Milliarden Dollar auf dem Vorjahresplatz Nummer neun.
Die gewöhnlichen Bürger betrachten solchen Reichtum seit jeher mit äußerst kritischen Blicken. Denn die meisten Oligarchen wurden in den 90er Jahren, der Zeit des Raubtierkapitalismus, reich. Nur 0,2 Prozent der russischen Bevölkerung kontrollieren 70 Prozent des Reichtums im Land. Das hat der Rechnungshof im vergangenen Jahr bekanntgegeben. Ein solches Ungleichgewicht stört das Wirtschaftswachstum.
Das Einkommen eines Durchschnittsrussen ist im vergangenen Jahr übrigens um sieben Prozent gestiegen – auf 600 Euro pro Monat. Gestiegen ist auch die Zahl derer, die unter dem Existenzminimum von monatlich 155 Euro leben. Betroffen sind davon – auch diese Zahl wurde gerade veröffentlicht - 18 Millionen Bürger.










