» 27. August 2012, 10:07 Uhr

Wenn der „Dob-Rindterwahn“ um sich greift

Alexander Dobrindt ist einer derjenigen Politiker, für die politischer Anstand ein Fremdwort ist und die verbal nur unterhalb der Gürtelline zuschlagen können. Kein Wunder, dass die Reaktionen darauf von ähnlichem Kaliber sind. Aber vielleicht kommen sie genau deshalb der Wahrheit ziemlich nahe.

Alexander Dobrindt tut, was er tun muss. Immerhin ist er Generalsekretär der CSU. Und da im kommenden Jahr in Bayern ein neuer Landtag gewählt wird, geht es um alles oder nichts. Deshalb hat sich der christsoziale Haudrauf-Politiker auch auf die Griechen eingeschossen.

Dobrindt ist es völlig schnurz, was das hoch verschuldete Mittelmeerland bereits an Reformanstrengungen geleistet hat, um aus dem Krisensumpf herauszukommen. Ihm ist auch egal, wie die Bundesregierung darüber denkt und das Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als Marschroute für den Umgang mit der Regierung in Athen ausgegeben hat. Nämlich zunächst den Prüfbericht der Troika abwarten, dann urteilen. Dobrindt hat die Nase gestrichen voll, er will die Griechen nicht mehr in der Euro-Zone haben. Ihren Austritt aus dem gemeinsamen Währungsraum erwartet er spätestens im kommenden Jahr.

Dass ein Koalitionspolitiker derart gegen den Kurs der Bundesregierung zu Felde zieht und dabei noch die wankelmütige FDP rechts überholt, bleibt natürlich nicht unbeobachtet. Nord-SPD-Chef Ralf Stegner kommentiert auf seiner Facebook-Pinnwand Dobrindts Ausfälle vom Wochenende treffend mit den Worten: „Droht Europa nun auch noch neue BSE-Krise? Vernunftresistente Mutation: Dob-Rindterwahn breitet sich von Bayern schon nach Berlin aus.“

Und auch auf Dobrindts Facebook-Pinnwand wird der bayrische Schreihals mit beißendem Spott überzogen. Ein griechischer User empört sich und erklärt, dass es für Griechenland nicht einfach sei, den Schalter umzulegen und dann werde alles gut. Und weiter: „Sie behandeln uns, als wären wir ein Stück Dreck, alle wissen, das aus dieser Krise Deutschland den größten Profit hat.“

Eine Userin verbindet ihre Kritik gleich mit einer Warnung an den CSU-Mann: „Bitte erst nachdenken, (falls das überhaupt möglich sein sollte bei Ihnen), dann reden. Und bitte NIE—– NIEMALS hierhin nach Griechenland kommen, das könnte nämlich gefährlich werden!!“

Ein anderer Facebook-Nutzer findet es „einfach nur peinlich“ was Dobrindt von sich gebe. „Ohne die deutsche Solidarität mit Bayern in den letzten Jahrzehnten würden Sie immer noch auf Ihrer Alm in Oberbayern hocken und Kühe melken.“

Es gibt auch vereinzelt User, die gut finden, was Dobrindt über Griechenland denkt („Endlich mal einer der sagt, was die Deutschen denken!!!“ oder „Glückwunsch Herr Dobrindt, wenigstens einer der hart bleibt und die „Rosa-Euro-Griechen“- Brille abnimmt!“). Die Mehrzahl kann dem Euro-Populismus des CSU-Politikers ab rein gar nichts abgewinnen.

Selbst in der CSU regen sich einige auf und wettern gegen Dobrindts „provinzielles Gemecker“, der ein Stück aus Absurdistan abliefere, wenn er glaube, dass Griechenland mit der Drachme schneller auf die Füße komme. Doch diese Appelle dürften Dobrindt genauso wenig beeindrucken, wie die ermahnenden Worte der Kanzlerin. Er wäre ja nicht der Chef-Lautsprecher der CSU, wenn er nicht so vom Leder ziehen würde, wie er es getan hat. Fortsetzung folgt.

» 27. August 2012, 10:07 Uhr

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