Stimmt: der ewige Regen hierzulande kann einen schon irre machen. Einige FDPler drehen komplett durch. Sie fordern staatliche Prämien, damit Deutsche nach Griechenland in den Urlaub fahren. Noch irrer ist, dass Ökonomen das gut finden.
Normalerweise nimmt sich auch die Politik im Sommer eine Auszeit – parlamentarische Sommerpause nennt man das. Sie gilt von Juni bis August. Der Bundestag pausiert. Eigentlich. Doch die Euro-Krise macht den Parlamentariern einen Strich durch die Rechnung. Schon diesen Donnerstag müssen sie über Hilfen für spanische Banken in einer Sondersitzung debattieren und abstimmen. Eigentlich wären die meisten wohl lieber selbst im Süden, wo es warm ist. Vor allem, weil es in Deutschland kalt ist und täglich ohne Ende schüttet.
Besonders hitzig ist es derzeit in Griechenland. Das hat einige Politiker auf den Plan gerufen. Oder sollte man besser sagen, die „Bild“-Zeitung hat sich eine irre Sommerloch-Geschichte ausgedacht und Zitatgeber gesucht und gefunden, die ihre These vom Urlaub, den der Staat mitfinanzieren soll, unterstützen.
Ja, Sommerzeit ist auch Sommerlochthemen-Zeit. Das führt dann dazu, dass der verregnete Deutschland-Sommer nun auch die deutsche Politik in seinen Bann zieht. Und „Bild“ zu der Idee, die Deutschen mit staatlicher Unterstützung Urlaub im Süden machen zu lassen, um auf diese Weise der Konjunktur in den Krisenländern neuen Schwung zu geben.
Da fragt man am besten deutsche Griechenland-Politiker. Der FDP-Europaabgeordnete Jorgos Chatzimarkakis ist so einer. Der sucht sowieso ständig nach Aufmerksamkeit, seit ihm der Doktortitel wegen Schummelns aberkannt wurde. So einen drängt es dann auch schon mal in die Öffentlichkeit, zumal wenn ein so auflagenstarkes Blatt wie die „Bild“ anruft. Chatzimarkakis mutiert dann sogleich zum Küchenpsychologen und stellt voller Ernst fest, dass das schlechte Sommerwetter in Deutschland die Menschen „zunehmend depressiv“ mache. Woher weiß er das? Ist er vielleicht selbst depressiv? Und müssen es alle anderen dann auch gleich sein? Jedenfalls führt er dazu nichts mehr aus.
Darum geht es der “Bild” ja auch gar nicht. Also fordert der Europaabgeordnete wunschgemäß „eine Art staatliche Prämie, die Deutsche kurzfristig dazu bewegt zum Beispiel nach Griechenland zu fahren“. Aber nicht etwa, um die Depression wieder loszuwerden, sondern um den klammen Griechen auf die Beine zu helfen. Den Anfang eines europäischen Konjunkturprogramms, nennt Chatzimarkakis das. Immerhin sei die Sonne in Griechenland „garantiert“.
Der FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter ist auch irgendwie Griechenland-Spezialist. Immerhin ist er stellvertretender Vorsitzender der deutsch-griechischen Parlamentariergruppe. Da kann man schon mal Reisebüro spielen und Sätze sagen wie: „Die Griechen sind sehr gastfreundlich.“ Und gleich danach der „Bild“-Idee nacheieifern und sagen: „Es wäre sinnvoll, wenn eine Art Last-Minute-Prämie für Reisen nach Südeuropa zustande kommt. So wäre sowohl vielen Deutschen als auch Ländern wie Griechenland geholfen, die dringend mehr Touristen brauchen.“ Allein soll der Staat es aber nicht richten, unterstreicht Lotter: „Die Politik sollte da zusammen mit der Industrie Anreize schaffen.“
Und tatsächlich: Einige Ökonomen finden den Vorschlag der Sommerloch-Politiker ziemlich gut. So sagt Michael Grömling, Konjunkturexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, dass mehr Gäste gerade für die südeuropäischen Krisenländer wichtig wären, „denn deren Wirtschaft kann jeden Euro gebrauchen“. Fragt sich, ob man für eine solche Aussage wirklich einen Volkswirt gebraucht hätte. Eigentlich nicht. Das hat wohl auch „Bild“ gedacht und gleich noch ein paar Fakten hinterhergeschoben.
Die Zeitung zitiert aus einer IW-Studie, wonach ausländische Reisende im vergangenen Jahr in Griechenland insgesamt 10,5 Milliarden Euro ausgegeben hätten, was knapp 5 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) entspreche. In Portugal hätten Urlauber im vergangenen Jahr auch etwa 8 Milliarden Euro liegen gelassen, was circa 4,7 Prozent des BIP entspricht. „Ausländische Urlauber versorgten damit fast 7 Prozent aller Beschäftigten in Portugal mit einem Job“, lautet das IW-Fazit.
kaum veröffentlicht, rudert das IW aber schon wieder zurück. In einer Pressemittelung heißt es: “Auf dem Online-Portal bild.de wurde am 16. Juli 2012 ein Beitrag eingestellt, in dem der Eindruck erweckt wird, das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) unterstütze den Vorschlag des FDP-Abgeordneten Jorgos Chatzimarkakis, Staatsprämien für deutsche Bürger zu zahlen, die ihren Urlaub in Griechenland verbringen wollen. Das IW stellt dazu fest: Dieser Eindruck ist falsch. Das IW hat sich nicht für staatliche Prämien an Urlauber ausgesprochen und begrüßt auch nicht solche Überlegungen.”
Naja, immerhin hat “Bild” noch einen anderen Ökonomen gefunden, der das staatliche Urlaubssponsring gut findet. Das Boulevard-Blatt hat den Star-Ökonomen Nouriel Roubini gefragt und der US-Wissenschaftler macht gleich einen ganz eigenen Vorschlag. Die deutsche Regierung solle jedem deutschen Haushalt einen 1000-Euro-Gutschein für Reisen in EU-Krisenländer schenken, sagt er der Zeitung. Würden das Geld nur 5 Millionen Haushalte annehmen, würde die dortige Wirtschaft um 0,2 Prozent angekurbelt. Ja, dann. Ab in den Urlaub oder rein ins Sommerloch!











2 Kommentare zu “Dauerregen schwemmt deutsche Politiker ins Sommerloch”
Und natürlich muss endlich der Zuwanderungswahn hier aufhören, deutsche Kinder braucht das Land und keine Muselmänner! Warum bekommen die Deutschen keine Kinder mehr?
Herr Neuerer, über Ihren Artikel habe ich mich köstlich amüsiert.
Den Herren Roubini und Chatzimarkakis sei allerdings gesagt, daß die Buchungen nach Griechenland wohl erst dann wieder zunehmen werdem, wenn die Griechen damit aufhören Bilder von A. Merkel und deutsche Fahnen mit Hakenkreuzen zu bemalen und dann zu verbrennen.
Von einem besonderen Nachlassen der Buchungen in Portugal und Spanien ist mir nichts bekannt. Dort weiß man aber auch, wie man sich benimmt.
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Was mit Gutscheinen für Griechenlandurlauber passieren würde weiß ich jetzt schon: Die würden zu 100% eingelöst werden – ob mit oder ohne Urlaub ;)
Der Schwarzhandelspreis der Gutscheine würde sich in Deutschland wohl auf etwa 40% des Nennwerts stellen (Transaktion: Gutscheinsbezieher an Schwarzhändler), in Griechenland auf 70% (Transaktion: Schwarzhändler an Hotelier).
Klar, daß die Herren Roubini und Chatzimarkakis sich mit “moral hazard”, “fakelaki” und der Schattenwirtschaft im allgemeinen nicht so auskennen, und deshalb die Idee toll finden :))